Start im neuen Kälberstall
Kälberaufzucht am Staatsgut Achselschwang

Kälberstall in AchselschwangZoombild vorhanden

Kälberstall in Achselschwang

Der neue Achselschwanger Kälberstall wurde im Januar 2025 in Betrieb genommen und ersetzt den zuvor 17 Jahre genutzten Altstall. Es handelt sich um einen einhäusigen, nach Süden ausgerichteten Kaltstall mit reguliertem Außenklima. Das Gebäude ist in fünf baulich getrennte Abteile gegliedert, die in gespiegelter Anordnung Einzelboxen- und Gruppenhaltungsbereiche umfassen.

Die Abteile für die ersten drei Lebenswochen sind durch Futterküche, Technikraum und Stallbüro voneinander getrennt und ermöglichen zwei unabhängig steuerbare Klimazonen zur präzisen Kontrolle der Versuchsbedingungen. Die anschließenden Abteile verfügen über zwei bzw. vier Großgruppenbuchten für bis zu 40 Kälber.

Die Gruppenbuchten sind mit aufklappbaren Deckeln ausgestattet, deren Öffnung temperaturabhängig gesteuert wird. Die Südseite des Stalls kann über ein Curtain-System vollständig geöffnet werden. Die Tore an der Nordseite werden temperaturgesteuert für die Querbelüftung geöffnet bzw. geschlossen. Die Gebäudeisolierung erfolgt über eine 12 cm starke Vollholzdecke mit integrierter Indach-Photovoltaikanlage.

Die ersten Lebenstage

Kalb in der WärmeboxZoombild vorhanden

Kalb in der Wärmebox

Neugeborene Kälber werden bei Außentemperaturen unter 10 °C unmittelbar nach der Geburt in einer Wärmebox getrocknet und erhalten dort die erste Kolostrumgabe von mindestens 3 l mit einer Qualität von ≥ 22 Brix %. Minderwertiges Kolostrum wird aufgewertet.

Nach vollständigem Abtrocknen (ca. 2–5 h) werden die Kälber gewogen, markiert und in Einzelboxen eingestallt. Ab der zweiten Mahlzeit wird Vollmilch angesäuert verfüttert. Ab dem 5. Lebenstag erfolgt die Fütterung ausschließlich mit angesäuertem Milchaustauscher ad libitum. Wasser sowie eine hofeigene Kälber-TMR stehen ab dem ersten Lebenstag zur freien Aufnahme zur Verfügung.

Frühe Sozialkontakte („Freunde fürs Leben“)

Die flexible Aufstallung ermöglicht eine frühzeitige paarweise Haltung. Gesunde Kälber werden in der Regel ab dem 5.–6. Lebenstag mit einem gleichaltrigen Partner zusammengeführt.

Sozialkontakt fördert die Entwicklung, steigert die täglichen Zunahmen und reduziert Stress in Umstellungsphasen (Abtränken, Tränkeautomat). Studien weisen darauf hin, dass diese Effekte bis in die erste Laktation reichen und mit höherer Milchleistung sowie besserer Persistenz einhergehen.

Wechsel in die Gruppenhaltung

Ab dem 21. Lebenstag werden die Kälber in Gruppen von bis zu 16 Tieren gehalten. Der frühe soziale Kontakt erleichtert das Management, insbesondere das Anlernen am Tränkeautomaten.

Dort erhalten die Kälber einen hochwertigen Milchaustauscher. Die männlichen Kälber werden ad libitum bis zum Verkauf ab dem 28. Lebenstag über die Nutzkälbervermarktung des Weilheimer Zuchtverbands getränkt.

Weibliche Kälber werden bis zum 100. Lebenstag sukzessiv abgetränkt und weiterhin mit hofeigener Kälber-TMR versorgt. Eine Woche nach dem Abtränken erfolgt die Umstellung auf eine silagebasierte Ration.

Die Tiere verbleiben bis zu einem Gewicht von 200 kg in den Gruppen und werden anschließend zur weiteren Aufzucht auf den Nebenbetrieb in Hübschenried verbracht.

Beschäftigung und Tierwohl

Eine ausreichende Beschäftigung ist spätestens in der Gruppenhaltung essenziell zur Prävention von Verhaltensstörungen (z. B. gegenseitiges Besaugen, Schwanzkauen).

Der Tränkeautomat mit 1,5-stündigen Abrufintervallen fördert die Befriedigung des Saugreflexes und ist rationierten Systemen überlegen. Ergänzend werden beschäftigungsorientierte Futterspielzeuge eingesetzt. Die Heusäcke sind so angebracht, dass kleine Mengen über längere Zeit erarbeitet werden müssen.

Weidenutzung

An den Kälberstall schließt eine direkt aus den Gruppenbuchten zugängliche Weide an. Ab der 10. Lebenswoche bis zur Verbringung zu unserer Jungviehaufzucht nach Hübschenried steht den Tieren die Weide zur freien Verfügung und kann selbstständig genutzt werden.

Der Weidegang beginnt mit dem Start der Weidesaison. Bei geeigneter Witterung wird die Weide auch im Winter genutzt. Neben erhöhter Bewegung und zusätzlicher Beschäftigung zeigt sich eine höher als erwartet ausgeprägte Aufnahme von frischem Gras.
Kalb und Mutter

Kalb und Mutter

Klab am Leckstein

Klab am Leckstein

Kälberlehrgang

Kälberlehrgang - Halfter angelegen

Kälberbürste

Kälberbürste

Überbetriebliche Ausbildung zum Thema "Gesundheitsmerkmale am Kalb"

Überbetriebliche Ausbildung zum Thema "Gesundheitsmerkmale am Kalb"

Kälber auf der Weide

Kälber auf der Weide