Landesfachausschuss für Umweltfragen des Bayerischen Bauernverbandes zu Gast in Karolinenfeld

Mitarbeiter des BBV-Ausschuss stehen gemeinsam mit dem BaySG GF auf einer grünen Moorfläche

Am 19. Juni stattete der Landesfachausschuss für Umweltfragen des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) dem Moorversuchsgut Karolinenfeld einen Besuch ab. Unter Leitung des Ausschussvorsitzenden und MdEP Stefan Köhler sowie des Geschäftsführers Andreas Puchner informierte sich die 15-köpfige Gruppe über die Möglichkeiten, landwirtschaftliche Wertschöpfung mit den Erfordernissen des Moorschutzes und des Hochwasserschutzes in Einklang zu bringen.

BaySG-Geschäftsführer Anton Dippold hob in seiner Begrüßung die große Bedeutung der Moore für den Klimaschutz hervor. Moore speichern weltweit erheblich mehr Kohlenstoff als Wälder. Gleichzeitig ist dieser Speicher jedoch bedroht, da trockengelegte Moore enorme Mengen an Treibhausgasen emittieren. Er führte weiter aus, dass die BaySG verpflichtet sind, die eigenen Moorflächen zu vernässen oder zumindest moorschonend zu bewirtschaften.

Auf dem Moorversuchsgut Karolinenfeld werden dazu verschiedene Ansätze wissenschaftlich untersucht. Ein neu errichteter Moorlehrpfad und eine Ausstellung zum Thema Moor sollen die Thematik einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Dippold betonte, dass für die Einführung moorschonender Bewirtschaftungsformen in der Landwirtschaft eine Wertschöpfung auf den wiedervernässten Flächen gegeben sein muss. Köhler griff diesen Aspekt auf und unterstrich, dass es für die Bauern langfristig keine Perspektive sei, ausschließlich von Förderprogrammen abhängig zu sein.

Im Anschluss erläuterte der Leiter aller pflanzenbaulichen Versuchsstationen der BaySG, Herr Dr. Sticksel, das Verfahren zur Wiedervernässung in Karolinenfeld, bei dem die unterirdisch verlegten Drainagen in ihrer Funktion umgekehrt werden, um eine gezielte Steuerung des Grundwasserflurabstandes zu ermöglichen. Er verwies auf Versuchsergebnisse, die zeigen, dass sich bei einem Grundwasserflurabstand (GW-Abstand) von minus 20 Zentimetern im Jahresmittel rohrschwingelbetonte Bestände als dreischnittige Wiesen nutzen lassen. Einschränkend fügte er hinzu, dass die Inhaltsstoffe der Bestände nicht ausreichen, um Hochleistungskühe zu versorgen.

Für Trockensteher oder generell zum Rohfaserausgleich sind die Pflanzenaufwüchse jedoch gut geeignet. An einer Polderfläche veranschaulichte Dr. Sticksel, wie Hochwasserschutz und Moorschutz Hand in Hand gehen können. Nässeverträgliche Pflanzen wie Seggen oder Rohrglanzgras überdauern einen mehrtägigen Überstau unbeschadet, sodass im Polder Wasser zurückgehalten und Hochwasserspitzen abgeflacht werden können. Zudem gab er den Besuchern einen Einblick in die vielfältigen Messmethoden, mit denen in Karolinenfeld Moorsackung und Treibhausgasemissionen bestimmt werden.

Zum Abschluss führte Dr. Sticksel durch Versuche zur Erzeugung von Seggen, einer bewährten Paludikultur. Er erläuterte, dass die Etablierung der Seggenbestände nach wie vor schwierig sei. Entscheidend für den Erfolg sei ein hoher Grundwasserstand, idealerweise wenige Zentimeter unter Flur. Neue Ergebnisse zeigen, dass unter Seggen Kohlenstoff festgelegt wird. Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass die Seggenbestände Lebensräume für seltene und hochspezialisierte Arten bieten, die an diesen Lebensraum angepasst sind. Kritisch merkte er an, dass die Vermarktung der Seggen bislang problematisch sei. Gleichzeitig würden sich zunehmend potenzielle Abnehmer finden, die die positive Klimawirkung des Seggenanbaus als Marketinginstrument nutzen.

Zum Abschluss der Veranstaltung bedankte sich Dippold bei den Teilnehmern für ihr Interesse. Er betonte, dass der flächendeckende Moorschutz einen wesentlichen Baustein zur Erreichung der politisch gewollten und gesellschaftlich geforderten Klimaschutzziele darstellt. Dies könne nur in Zusammenarbeit mit den Landwirten gelingen, für die wirtschaftlich tragfähige Nutzungsoptionen einer moorschonenden Bewirtschaftung erarbeitet werden müssen. Die BaySG bearbeitet diese herausfordernde Aufgabe gemeinsam mit den Partnern vom Peatland Science Center der HSWT und der LfL auf dem Moorversuchsgut Karolinenfeld.

BBV Mitarbeiter stehen um den BaySG Geschäftsführer - der die Moorflächen erklärt