Nesting Score 3 – ein Schlüssel zum Erfolg

Der Kältestress ist im Winterhalbjahr für junge Kälber ein ernstzunehmendes Problem. Kälber erzeugen sehr wenig Eigenwärme. Die maßgebliche thermoneutrale Komfortzone für Kälber liegt bei 10-25°C. Die heute wichtigsten aktuellen Aussagen zum Kleinklima für die Kälber stammen von amerikanischen Wissenschaftlern. Gerade das junge Kalb zeigt ein großes natürliches Bedürfnis, sich so richtig in das Stroh hineinzukuscheln und das ganze bei einem perfektem Luftaustausch. Sie fühlen sich so sichtlich geschützter, sicherer und behüteter. Zu niedrige Umgebungstemperaturen sind bei ausreichend Stroh also kein Problem. Langstroh baut wichtige Luftpolster um die Kälber herum auf. Die Universität Wisconsin hat diesbezüglich den sogenannten Nesting Score erarbeitet. Kälber, die einen hohen Nesting Score von 3 Punkten haben, erkranken nachweislich weniger an Lungen- und Atemwegserkrankungen. Bei Nesting Score 3 treten beachtliche 50 % weniger Lungenentzündungen auf als bei Nesting Score 1. Die Kälber sind auf diese Weise nicht gezwungen ihre Fettreserven zu mobilisieren, um die Körpertemperatur konstant zu halten. Sie stellen diese dem Immunsystem zur Verfügung, was der tierischen Gesundheit förderlich ist. In all unseren Kälberställen gilt deshalb der wichtige und elementare Merksatz „Kälber gehören nicht aufs Stroh, sondern ins Stroh“. Das ist ein riesiger Unterschied! Im Sommer ist es allerdings korrekt, wenn das Liegeverhalten mit dem Nesting Score 1 und 2 zum Abtransport von Wärme zu beschreiben ist. Beobachten Sie bitte die Kälber beim Liegen!

Drei Kälber liegen im Stroh

  • Nesting Score 1: Die Beine sind vollständig zu sehen. Schlechte Isolationswirkung. Bitte
    einstreuen!
  • Nesting Score 2: Die Beine sind teilweise zu sehen. Bitte einstreuen!
  • Nesting Score 3: Die Beine versinken im Stroh und sind im Liegen nicht mehr zu sehen.
    Alles richtig gemacht!

Die Kälber können kältere Temperaturen gut meistern, wenn sie vollständig trocken sind und ausreichend trockene und isolierende Einstreu zur Verfügung haben. Ob die Strohmatratze auch tatsächlich trocken ist, kann mittels „Knietest“ überprüft werden. Knien Sie sich einmal in die Kälberbox. Bleiben die Knie trocken, ist alles okay. Bei nassen Knien muss neu übergestreut werden. Oder kommt die Nässe evtl. als Staunässe von unten?
Darüber hinaus sollten sie windgeschützt aufgestallt und mit ausreichend Milch versorgt werden. Schon ab einer Luftgeschwindigkeit von 0,4 m/s können sie erheblich auskühlen und krank werden. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt brauchen Kälber schon den Energiegehalt von 2 Litern Milch, nur um ihre Körpertemperatur aufrecht zu erhalten und nicht zu frieren.
Neben reichlicher, trockener Einstreu reduziert eine Kälberjacke die entstehenden Wärmeverluste merklich. Das potenzielle Risiko für Neuerkrankungen lässt sich so reduzieren und die Genesungsphase kranker Kälber verkürzen. Kälberjacken entsprechen in etwa einem Nesting Score - Punkt. In vielen Stallungen wird im Winter der sogenannte Klimadeckel in Kombination mit einem niedrigen Nesting Score zum Problem. Was hilft eine von der Temperatur her passende Kleinklimazone unter dem Deckel, wenn gleichzeitig die Luft mit reichlich Ammoniak geschwängert ist? Eine unreife Lunge, die das Kalb nach der Geburt besitzt, trifft auf eine große Mengen Ammoniak ausgasende Mistmatratze. Eine wahrlich fatale Kombination! Die Kälberlunge erreicht ihre vollständige Gasaustauschkapazität erst am ca. 14. Lebenstag. Ein perfektes Einstreumanagement mit dem Ziel, einen Nesting Score von 3 zu erreichen und dauerhaft sicherzustellen, ist damit das größte Erfolgsrezept für eine bessere Kälbergesundheit. Nicht zu vernachlässigen ist in diesem Zusammenhang die Besatzdichte, die bei mind. 4 m2 pro Kalb anzusiedeln ist.